Im Fokus

Von der Lehre bis zur Pension

Am 2. August 1976 begann Oswald «Osi» Wilhelm seine Ausbildung als Futtermüller bei der Egli-Mühle in Nebikon. Aus der Lehrstelle wurde ein ganzes Berufsleben: Fast fünf Jahrzehnte blieb er dem Unternehmen treu und erlebte dessen Entwicklung von der lokalen Futtermühle zum bedeutenden Futtermittelproduzenten. Am 26. September 2025 trat er in den Ruhestand. «Egli-Fokus» blickt mit ihm zurück.

06. Nov. 2025

Der Montag, 2. August 1976 war ein strahlend schöner und heisser Sommertag, wie es so viele gab im Hitzesommer 1976. In der Stadt Luzern wurden mehr als 30 Hitzetage gezählt. Es war extrem trocken, und den Landwirten fehlte Futter für ihre Tiere. An diesem besagten Montag begann für den 15-jährigen Oswald Wilhelm aus Uffikon LU ein neuer Lebensabschnitt. Er startete bei der Firma Egli-Mühlen in Nebikon seine dreijährige Ausbildung als Futtermüller. Dannzumal war das ein noch junger Beruf; erst seit 1973 gab es diese eidgenössisch anerkannte Berufslehre. «Osi», wie er von allen genannt wird, las zufällig ein Zeitungsinserat der Firma Egli und bewarb sich für die Lehrlingsstelle; erfolgreich, wie man sieht. Produziert wurde an der Bahnhofstrasse in Nebikon, an gleicher Stätte stand auch die Brotmehlmühle. Fünf Personen kümmerten sich um die Futterproduktion, erinnert sich Osi: «Der Produktionsleiter, der Stellvertreter, ein Absacker, ein ‹Spetter› und ich als Lehrling.»


Aus drei Jahren wurden deren 49


Nun, 49 Jahre, 1 Monat und 24 Tage später, am 26. September 2025, wurde Osi Wilhelm pensioniert. Damit verbrachte er sein gesamtes Berufsleben bei der Egli-Mühle und hielt seinem Ausbildungsbetrieb stets die Treue. Gab es nie den Gedanken, etwas Neues, einen anderen Betrieb kennenzulernen? «Nie konkret», erklärt dazu Osi, «die Arbeit hat mir immer Spass gemacht, und das Arbeitsklima und die Wertschätzung in der Firma haben gestimmt.» Ein Stellenwechsel hätte zudem einen weiteren Arbeitsweg bedeutet, und wegziehen von Uffikon wollte er nicht. Dort lebt er seit seiner Geburt, hat das elterliche Bauernhaus übernommen, mit seiner Frau Rita drei Kinder grossgezogen und ist stark verwurzelt in der Gemeinde.

Nach der Lehre wäre allenfalls ein Stellenwechsel infrage gekommen. Doch sein Patron, Anton Egli-Lingg, hatte andere Pläne. Er hatte 1972 die Aktienmehrheit der Firma übernommen und wollte nun das Futtermittelgeschäft ausbauen. Dazu war er auf gut ausgebildetes und einsatzfreudiges Personal angewiesen. Er erkannte das Potenzial seines Lehrlings und machte ihm ein Angebot, das Osi nicht ausschlagen wollte: «Er bot mir eine Anstellung mit vollem Lohn während der Rekrutenschule an; ohne Verpflichtung meinerseits notabene», erinnert sich Osi und muss auch heute noch schmunzeln.


Von der Lochkarte bis zur modernsten Steuerung


So erlebte Osi natürlich auch die gesamte Entwicklung der Egli-Mühle: von der kleinen lokalen Futtermühle zum bedeutenden Futtermittelproduzenten in der Schweiz. «Der technische Fortschritt, aber auch die Entwicklung der Arbeitsproduktivität sind enorm», resümiert Osi rückblickend. «Mit fünf Personen produzierten wir 1976 wenige Tausend Tonnen Futter, heute, mit neun Personen in der Produktion, sind es mehr als 12-mal so viel.» Der Ablauf der Futterherstellung sei jedoch noch mehr oder weniger derselbe. Bereits dannzumal stand ein 3-Tonnen-Mischer im Einsatz und auch eine Würfelpresse. Natürlich mit anderen Stundenleistungen als heute. «Mit der alten Presse in der Bahnhofstrasse produzierten wir in der Stunde gerade so viel, dass eine Person ausreichte zum Absacken, maximal 1500 kg. Heute produzieren moderne Futterpressen bis 8 Tonnen pro Stunde.»

Besonders eindrücklich sei die Entwicklung der Steuerung, erklärt Osi. 1976 lief der gesamte Prozess noch über Lochkarten: Für jede Rezeptur musste eine Karte gestanzt werden; allein das Lochen bedeutete einen grossen Zeitaufwand, hinzu kamen die Kontrollen und eine Probemischung. «Bei jeder Karte wurde zu dritt Schritt für Schritt kontrolliert. Immer mit dabei war die Chefin, Frau Egli», erinnert sich Osi. Dieses aufwendige Lochkarten-System wich 1985 der ersten Computersteuerung. Als «Quantensprung» in der Firmengeschichte bezeichnet Osi den Bau des Getreidesilos mit Bahnanschluss und 10’000 Tonnen Lagerkapazität 1980 in der Schürmatt in Nebikon. Fünf Jahre später wurde dann die neue, moderne Futtermühle in Betrieb genommen.


Die Egli-DNA: Innovation und Tradition


So eindrücklich die Entwicklung der Technik war (und ist), drängt sich die Frage auf: Ist es nicht eine grosse Herausforderung für dich als Mitarbeiter, immer à jour sein zu müssen und sich auf Neues einzulassen? «Ja, schon», findet Osi, «ich bin einfach immer offen eingestellt und sehe Weiterentwicklungen als Chance an.» Innovation sei wichtig, und dies sei eine der zwei wichtigsten Konstanten bei der Firma Egli, von der Gründung bis heute. Laufend werde an Optimierungen und Verbesserungen getüftelt, mit den Zielen, die Arbeitsabläufe zu optimieren und die Qualität der Produkte und Dienstleistungen zu verbessern, immer mit Blick auf den Nutzen für die Kunden.

Und die andere Konstante? «Die Firmenkultur», sagt Osi überzeugt. Trotz der Weiterentwicklung und des Wachstums sei die Egli-Mühle immer ein Familienunternehmen geblieben. Egal ob bei seinem ersten Chef, Anton Egli-Lingg, bei seinem Sohn Kurt oder dessen Sohn Simon, der das Unternehmen seit 2022 in fünfter Generation führt: «Bei einem Anliegen konnte und kann man sich direkt an den Chef wenden. Man findet immer ein offenes Ohr», erklärt Osi.


Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen


Am 26. September hat Osi nun nach einem ganzen Berufsleben in der «Mühli» Abschied genommen – nicht ohne Wehmut, wie er zugibt. Doch Trübsal blasen liegt ihm nicht, und Langeweile ist für ihn ohnehin ein Fremdwort. Schon nach den Herbstferien wird er in kleinem Pensum als Schulbusfahrer die Uffiker und Buchser Kinder in die Schule fahren und zudem seine Frau Rita bei ihrer Arbeit als Schulhausabwartin unterstützen. Mehr Zeit möchte er sich künftig auch für seine sieben Grosskinder nehmen, für Wanderungen in den Bergen und die Pflege seines Waldes. Und da ist noch eine alte Familientradition, die er vom Vater und Grossvater übernommen hat und nun weiterführen will: das Wursten nach überlieferten Rezepten – «alles mit natürlichen Gewürzen und ohne Zusatzstoffe», wie Osi betont, «und nicht im grossen Stil, nur für Bekannte und einmal jährlich für die ‹Schützenmetzgete› in Uffikon».

Fünf Jahrzehnte lang hat Osi die Geschichte der Egli-Mühlen miterlebt und mitgeprägt. Für die Zeit nach der Pensionierung wünschen wir dir, Osi, viele freudige Stunden mit deiner Familie und danken dir für deinen unermüdlichen Einsatz und deine Treue.

Bilder Web 1080x1920 Osi 2
 
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