Rindvieh

Kontinuität bringt Erfolg

In der Milchproduktion zählt vor allem Konstanz: Sowohl die Menge als auch die Inhaltsstoffe der Milch sollen möglichst stabil bleiben. Hohe ­Leistung aus dem Grundfutter und eine gleichbleibende Fütterung sind der Schlüssel zum Erfolg. Konstante Rationen halten den Pansen stabil, verringern Stoffwechselprobleme wie Azidose und sorgen für ausgeglichene Milchfett- und Eiweissgehalte. Eine gute Grundfutterqualität senkt zudem die Tierarztkosten, verbessert die Fruchtbarkeit und steigert die Futterverwertung. Am Ende bedeutet das: mehr Milch bei tieferen Kosten.

06. Nov. 2025

Kontinuität in der Fütterung ist ein zentraler Erfolgsfaktor in der Milchviehhaltung. Eine gleichmässige Fütterung mit stabiler Futterqualität sorgt für Pansenstabilität und verhindert abrupte Veränderungen für die Mikro­ben im Pansen. Plötzliche Zuckerspitzen, Proteinsprünge oder starke Schwankungen im Rohfasergehalt stören die Fermentation und zwingen die Mikroben dazu, sich immer wieder neu aufzubauen.

Auch die Milchleistung profitiert von gleichbleibenden Rationen. Schwankungen im Energie- oder Faserangebot führen nicht nur zu Leistungseinbrüchen, sondern auch zu unerwünschten Veränderungen in den Milchbestandteilen. Eine kon­stante Fütterung steigert die Persistenz der Milchleistung und verhindert Umstellungsverluste.

Darüber hinaus spielt Kontinuität eine wichtige Rolle für die Tiergesundheit. Häufige Futterumstellungen erhöhen das Risiko für Stoffwechselstörungen, Kotveränderungen und Klauenprobleme.

Nicht zuletzt verbessert Kontinuität auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebs. Je mehr Milch aus dem Grundfutter erzeugt werden kann, desto höher ist die Grundfutterleistung und desto tiefer fallen die Futterkosten pro Liter Milch aus.


Damit die praktische Umsetzung im Alltag gelingt:


1. Gleiche Abläufe in Fütterung, konstante Futterstruktur

– Auf gleichbleibende Fütterungs­zeiten, kontinuierliche Futtervor­lage und regelmässiges Nachschieben achten, dies reduziert Stress und Futterselektion.

– Für jede Kuh den Futterzugang sichern; genügend Fressplatz und Fresszeit sind entscheidend.

– Auf gleichbleibende Partikellängen achten (z. B. bei TMR-Herstellung), und TS-Gehalt der Gesamtration mit allfälliger Wasserergänzung stabilisieren.


2. Konstante Rohfaser und Struktur


– Faserreiches und faserarmes Futter nicht separat füttern, sondern ­konstant zusammenmischen.

– Den Schnittzeitpunkt möglichst konstant halten, damit die verschiedenen Silagen oder das Heu/Emd sich nicht zu stark in den Rohfaser-Gehalten unterscheiden.


3. Agieren statt reagieren


– Wenn beim Wechsel der Raufutter eine Veränderung auffällt, frühzeitig Anpassungen in der Gesamt­ration vornehmen und nicht erst, wenn die erste Milchprobe da ist. Beispielsweise wenn die neue Grassilage aus dem Hochsilo strukturärmer und eiweissreicher ist, die Strukturträger leicht erhöhen und die Eiweisszugaben senken. So sind Anpassungen nach der Milch­analyse nur noch geringfügig nötig, und Schwankungen der Ration werden kleiner.


4. Stabile Gehalte der Raufuttermischung


– Falls möglich, verschiedene Schnitte mischen und Frühjahrs- und Herbstschnitt nicht separat füttern.

– Den Frühjahrsschnitt möglichst übers ganze Jahr verteilt verfüttern, somit bleibt der Zuckergehalt der Grundfutterration konstanter.

– Durch das Zufüttern von sauberem Herbstschnitt in kleineren Mengen kann der Eiweissgehalt des Raufutters erhöht werden. Muss der Herbstschnitt nicht separat ver­füttert werden, verhindert dies einen starken ­Anstieg des Eiweissgehaltes in der Grundfutterration.

– Mit einem konstanten Eiweiss­gehalt des Grundfutters kann die benötigte Menge Eiweisskonzentrat gleichbleibend gehalten werden.


5. Planung


– Die Mengen der verschiedenen Raufutter pro Tier sollen übers ­gesamte Jahr möglichst konstant bleiben. Um dies zu erreichen, muss immer wieder neu geplant werden, damit beispielsweise Maissilage immer in guter Gär­qualität zur Verfügung steht.

– Maissilage sollte nicht plötzlich ausgehen oder Ende Periode in viel geringerer Menge verfüttert werden müssen. Um dies zu erreichen, sollte die Gesamtmenge der neuen Maisernte ermittelt werden. Für wie lange und für wie viele Milchkühe muss die Maissilage reichen? Damit lässt sich eine theoretische Verbrauchsmenge pro Tag errechnen. Nach einiger Zeit muss aber auch kontrolliert werden, ob die berechneten Mengen mit der Praxis übereinstimmen. Stimmt der Vorschub im Hochsilo zu den Berechnungen? Falls nicht, kann früh genug die Entnahmemenge angepasst werden.

– In einem genauen Ernterapport sollten die Schnitte, Mähstadium, Wetterbedingungen und Wiesenzusammensetzung aufgelistet werden. Dies hilft, die Gehalte der verfügbaren Raufutter besser zu beurteilen.


6. Einfache Kontrollen statt teurer Analysen


– Einfache Kontrollen vor Ort helfen bei der täglichen Qualitätsbeurteilung des Grundfutters: Geruch, Farbe, Textur und Handprobe zur Trockensubstanz-Einschätzung. Dies bringt meist mehr als einmalige teure Futteranalysen.

– Aufschlussreich sind schliesslich Beobachtungen am Tier: Kotkon­sistenz, Fressverhalten, Wiederkauaktivität, Milchmenge, Milchgehalt oder der Gefrierpunkt der Milch.


Beobachten und handeln


Nicht immer lässt sich planen, welche Qualität oder Menge an Grundfutter zur Verfügung steht. Kommt es zu einem plötzlichen Wechsel, ist es wichtig, rasch und pragmatisch zu handeln, bevor sich Einbussen bei Milchleistung oder Tiergesundheit bemerkbar machen. Kontinuität bedeutet nicht keine Veränderung, sondern kontrollierte Veränderung. Mit festen Abläufen, angepassten Übergängen und einfachen Qualitätschecks lassen sich Schnitt- und Silageschwankungen so organisieren, dass Leistung und Tiergesundheit stabil bleiben. Je mehr Kontinuität in die Fütterung gebracht werden kann, desto besser.

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