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Was fordern die beiden Agrarinitiativen?

Die Namen der Initiativen sind aus Sicht der Befürworterinnen und Befürworter sehr gut gewählt, denn sauberes Trinkwasser liegt uns allen am Herzen. Aber die beiden Agrarinitiativen halten nicht, was sie versprechen

03. Mai 2021

Obwohl unsere Bauern viele vorbeugende Massnahmen treffen, können sie nicht restlos verhindern, dass Krankheiten oder Schädlinge ihre Obstanlagen, Gemüsefelder, Rebstöcke oder andere Kulturen befallen und die Ernte bedrohen. Die Landwirtschaft ist sich ihrer Verantwortung aber bewusst und arbeitet stetig an einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion.

Seit 2009 hat sie die Biodiversitätsfläche verdoppelt und die synthetischen Pflanzenschutzmittel um 40 Prozent reduziert. Auch der Vorwurf, dass unsere Tiere grösstenteils mit ausländischem Futter versorgt werden und deshalb kein Futter zugekauft werden darf, kann widerlegt werden. 85 Prozent des Tierfutters stammt aus der Schweiz, ein Grossteil des Restes aus dem angrenzenden Ausland. Hühner und Schweine sind jedoch keine Grasfresser und nicht jeder Landwirtschaftsbetrieb verfügt über ausreichend ackerfähige Fläche für ausschliesslich betriebseigenes Futter. Vor allem jene im Hügel- und Berggebiet nicht.

Hühner und Schweine verwerten zudem eine halbe Million Tonnen Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie und verhindern damit, dass diese im Müll landen. Antibiotika werden in der Schweiz bei Schweinen und Hühnern schon länger nicht mehr vorbeugend eingesetzt. Es werden nur kranke Tiere nach tierärztlicher Diagnose mit Antibiotika behandelt. Auch für importierte Lebensmittel würde gelten, dass diese ohne Pflanzenschutzmittel produziert werden. Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten könnten künftig nur noch Bioprodukte pflanzlicher Herkunft kaufen und die Kosten für das Essen würden sich stark erhöhen. Schlechtere Produktqualität und -haltbarkeit wären weitere Folgen.

Die Schweizer Landwirtschaft ist sich ihrer Verantwortung bewusst
Die Landwirtschaft nimmt die von den Initiativen angesprochenen Themen ernst. Sie befindet sich in einem stetigen Verbesserungsprozess. Mit dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel, der Strategie und dem Aktionsplan Biodiversität, der Strategie gegen Antibiotikaresistenzen, der Branchenstrategie für eine nachhaltige Schweizer Futtermittelversorgung sowie der neuen parlamentarischen Initiative «Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren» liegen nicht nur konkrete Massnahmen, sondern auch verbindliche Ziele und Fristen vor. Die Umsetzung bei allen Themen läuft. Mit der konsequenten Um- und Durchsetzung aller bestehenden Instrumente gibt es ausreichend Hebel, um die einheimische Landwirtschaft noch nachhaltiger zu machen und die aktuellen Herausforderungen anzugehen.

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